Seltener Besuch

Wenn mich mein Abteilungsleiter, der auch gerne fotografiert, in einem Meeting vor zwei Tagen nicht zufällig darauf hingewiesen hätte, wäre ich definitiv zu spät darauf gekommen...Die Antonov 225, das größte Flugzeug der Welt landet in Shannon.

Das Meeting war am 09.06. vormittag gegen 10 Uhr und die Landung der Antonov war für denselben Tag gegen 16:30 Uhr geplant. Das wäre ohnehin zu spät gewesen, denn ich arbeite bis 17 Uhr und kann da nicht ne Stunde füher Feierabend machen, damit war das Thema für mich erledigt. Eigentlich schade dachte ich, denn diese Maschine war im Jahr 2015 zuletzt in Shannon zu Besuch.


Der Flughafen Shannon hat mit über 3 km Länge, die längste Landebahn Irlands und ist daher der einzige Flughafen in Irland, der diesen Koloss von Flugzeug abfertigen kann.


Abends hatte ich mir nochmal die Berichte in den örtlichen Zeitungen durchgesehen und dort wurde berichtet, daß sich die Landung auf den 10. Juni gegen Mittag verschiebt, weil noch Wartungsarbeiten durchgeführt werden müssen. Diese Information beschäftigte mich den ganzen nächsten Morgen. Die Landung war für 13:40 geplant, nach Shannon benötige ich ca. 15-20 Minuten und so schrieb ich eine kurze Mail an meinen Vorgesetzten und bat um 1/2 Urlaub von (11:00 bis 15:00 Uhr).


Kurz nach 11 Uhr kam das O.K. und ich packte meine Sachen und fuhr nach Shannon. Dort führt eine Strasse westlich vom Flughafengelände bis fast an die Spitze der großen Landebahn. Am Ende dieser Strasse ist man nur noch ca 170 m von dieser Landbahn entfernt und hat so, trotz Maschendrahtzaun und Stacheldraht einen genialen Ausblick auf das Gelände. Als ich ankam, hatten schon 4 andere Fahrzeuge dort geparkt und erwarteten mit bereitliegenden Fotoapparaten und Handys die Ankunft des Fliegers.


Einer der Fahrer hatte sogar eine App auf dem Handy, mit der er den Flug der Antonov verfolgen konnte und so genau wusste, wo sich diese gerade befand. Nun hieß es "Warten", denn die Ankunft war für ca. 13:40 Uhr angekündigt.


Pünktlich um 13:40 wurde es unruhig und die diversen anderen Besucher die mittlwerweile hier eingetroffen waren, machten sich mit Kameras, Handys und Tablets bereit. Um eine bessere Sicht zu haben, stellte ich mich mit einem Bein auf den Einstieg meines Autos und mit dem anderen auf die innere Handablage der Türe um Halt zu haben und hatte so einen fast freien Blick auf die Landebahn. Auch das Wetter spielte mit, denn einige Minuten zuvor kam die Sonne etwas durch, nachdem es eine Stunde voher immer wieder genieselt hatte.


Um 13:45 Uhr drückte ich zum ersten Mal auf den Auslöser meiner Kamera.

Da kam sie an, die Antonov AM-225. Mit ihrer Spannweite von 88,5 Metern und einer Tragflügelfläche von 905 m² näherte sie sich gemächlich ihrem Ziel und bot noch weit entfernt in der Luft bereits ein beeindruckendes Schauspiel.


Nikon D750 - 600 mm - f/7.1 - 1/1600sec - ISO 250

Zum Glück hatte ich beide Kameras mit unterschiedlichen Objektiven griffbereit auf einer Jacke auf dem Autodach liegen, denn der 84 m lange und 18 m hohe Koloss, der nun landete und an mir, und den zahlreichen anderen Zuschauern, dort vorbeirollte, war für meine 150-600 mm Tamron-Linse zu groß. Daher machte ich die nächsten Bilder mit dem 24-120 mm Nokia Kit-Objektiv. Was mich sehr erstaunte war, dass die 6 Iwtschenko-Triebwerke der Maschine nicht den Höllenlärm machten, den ich erwartet hatte.


Nikon D610 - 75 mm - f/5.6 - 1/1250sec - ISO 100

Das große Objektiv kam mir allerdings nach einigen Minuten wieder gelegen, als die Maschine das Ende der Landebahn erreichte, umdrehte und sich langsam in Richtung Flughafengebäude begab. Nun konnte ich die Maschine doch nochmal von der Vorderseite aus fotografieren. Die anderen Flugzeuge, die dort standen, sahen gegen die Antonov eher wie Spielzeuge aus.

Nikon D750 - 400mm - f/7.1 - 1/1250 sec - ISO 250

Nach ca. 15 Minuten war der ganze Spuk vorbei und ich packte meine Ausrüstung wieder ein. Auch wenn die Bilder die ich gemacht hatte, nicht gerade "Kalenderqualität" hatten und aufgrund der flimmernden Luft bei den Aufnahmen aus der Ferne und der Tatsache, dass ich kein Stativ benutzen konnte, an Schärfe eingebüsst hatten war ich doch zufrieden mit dem Ergebnis, denn eine Antonov bekommt man nicht jeden Tag live zu sehen.

Hier noch ein paar Daten zu dem Giganten:

Produktion: 1988

Geschwindigkeit: 850km/h

Reichweite: 4.000 km

Leergewicht: 350 Tonnen

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