Genialer Abschluss einer Tour oder "50 shades of red"

Im April 2018 hatte ich endlich die Gelegenheit, Fotos vom Dunquin Pier im County Kerry zu machen. Immer wieder kam mir diese Idee in den letzten Jahren, aber entweder war das Wetter zu schlecht, oder die Jahreszeit ungünstig usw.


Dazu inspiriert hatte mich das, wohl den meisten Irlandfans bekannte, Bild mit den Schafen, die den kurvigen Weg hinauf getrieben werden nachdem sie von den Blasket-Islands zum Festland transportiert wurden. Weitere Berühmtheit erlangte dieser Weg auch, weil es immer wieder vorkommt, daß Autofahrer versuchen, den Weg entlang hinunter zu fahren und nach einigen Metern stecken bleiben. Wie z. B. hier:


https://www.irishmirror.ie/news/irish-news/pictured-holidaymaker-tried-drive-down-8603472


An jenem Samstag im April entschloß ich mich dann endlich, nach eingehenden Recherchen bezgl. der aktuellen Wetterverhältnisse in Kerry, die Fahrt ins ca. 200km entfernte Dorf Dunquin anzutreten. Auch mein Freund Boris war wieder gerne mit dabei, denn er wollte die Gelegenheit nutzen, an der Küste ein paar Skizzen für ein neues Bild anzufertigen und packte Zeichenstifte, Papier und eine Staffelei mit in meinen Kofferraum.


Unterwegs fing es auf halber Strecke mal wieder an zu regnen, aber Umdrehen war keine Option und in Irland kann sich das Wetter im Minutentakt ändern, also ging es weiter auf der N69 in Richtung Küste. Wie erwartet, verschwanden die Wolken so schnell wie sie gekommen waren und nachdem wir uns bereits hinter Tralee, und somit bereits auf der Dingle-Halbinsel befanden, war das Wetter wieder deutlich besser.


Blick vom Connor-Pass auf die Brandon Bay

Oben auf dem Connor-Pass angekommen, machten wir kurz Pause, um die Landschaft zu genießen. Der Connor-Pass ist mit 456 m der zweithöchste Pass Irlands. Vom höchsten Punkt, der mit einem kleinen Parkplatz ausgestattet ist, hat man eine schöne Aussicht auf die nördlich gelegene Brandon Bay.

Besonders für ungeübte Fahrer hat der ca. 1,5km lange Connor-Pass, aufgrund der schmalen Straßenbreite, seine Tücken und ist daher für Fahrzeuge ab einer Breite von 6 Fuß (was etwa 1,83 Metern entspricht) gesperrt. Entlang der Straße findet man immer wieder kleine Buchten im Fels die dazu dienen, den Gegenverkehr passieren zu lassen.


Nach dem kurzen Halt ging es auf der südlichen Seite des Passes wieder hinunter in Richtung Dingle, der Hafenstadt, mit Ihren zahlreichen Pubs, Sea-Food-Restaurants und Souvenirgeschäften, die der Halbinsel ihren Namen verlieh und welche auch durch den, dort seit 1984 ansässigen, Delfin "Fungie" bekannt wurde, der in der Dingle Bay lebt.


Aufgrund des, inzwischen wieder schönen Wetters, entschieden wir uns für die schönere Route, entlang des berühmten "Slea Head Drives", mit Blick auf die nahe gelegenen Blasket Islands und erreichten so, nach ca. 30 Minuten, Dunquin mit seinen (2011 gezählten) ca. 160 Einwohnern und einer malerischen Klippenlandschaft.

Dunquin (irisch: Dún Chaoin) ist der westlichste Ort Irlands.

Boris alias "Benoni" bei der Arbeit

Als wir dort ankamen fing es wieder an zu regnen und wir gönnten uns erstmal eine Tasse Cappuccino in einem netten kleinen Café an der Straße, nur ein paar Minuten vom Pier entfernt. Nach einer halben Stunde wurde aus dem wolkenbedeckten grauen Ort wieder eine schöne, sonnige, irische Landschaft und ich konnte endlich meine Fotos und Boris seine Zeichnungen machen. Es wurde sogar so warm, daß das Gras innerhalb 30 Minuten fast komplett trocken wurde und wir uns auf den weichen Boden, nahe des Klippenrands, setzen konnten, um den Ausblick zu genießen.


Dunquin Pier, Co. Kerry

Am späten Nachmittag machten wir uns auf den Heimweg und als wir in Richtung Tralee kamen, sah ich plötzlich im Rückspiegel alles rot/orange leuchtend. Ich ahnte, was das war und hielt kurz am Straßenrand an, um ich umzudrehen und zu vergewissern, dass ich mit meiner Vermutung richtig lag. Ich lag richtig, und fuhr so schnell wie möglich weiter, denn ich kannte die Gegend, und wusste, in ein paar Minuten erreichen wir den Ort Blennerville mit seiner Windmühle. Diese steht nahe einer Brücke über den Fluss Lee, der kurz nach der Brücke ins Meer fließt und daher von Ebbe und Flut abhängig ist. Dort gibt es auch einen Parkplatz, den ich nun zügig ansteuerte, um dann wie von der Tarantel gestochen aus dem Auto zu "springen" und den Kofferraum zu öffnen. In Rekordzeit hatte ich Stativ und Kamera aufgebaut, um einen Sonnenuntergang zu fotografieren, wie ich ihn nur selten erlebt habe.


Wenn ich in der Vergangenheit solch ein Lichtspiel erleben durfte, dann hatte ich entweder keine Kamera dabei, oder die Sicht wurde von Gebäuden oder anderen Dingen behindert. Meistens hatte ich zwar die Kamera dabei, aber die Umgebung war absolut ungeeignet für ein Foto.

Sonnenuntergang in Blennerville, Co. Kerry

In dem, durch die aktuelle Ebbe nur leicht gefüllten, Flussbett spiegelte sich der Himmel in sämtlichen Rot- und Orangetönen und es sah aus, als würde der Horizont in Flammen stehen. Ein gigantisches, aber eben nur einige Minten andauerndes, Naturschauspiel. Nur diesmal war ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort.


Voller Freude über einen erfolgreichen Tagesausflug ging es nun, weniger hektisch, nach Hause.


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